Alte, rostige Schlüssel auf einer Holzoberfläche als Sinnbild für Zugänge zu Domain und Hosting

Domain und Hosting umziehen: Was tun, wenn der Webdesigner weg ist?

Es ist eine der unangenehmsten Situationen für einen kleinen Betrieb: Die Website läuft, seit Jahren, alles gut – und dann meldet sich der Webdesigner nicht mehr. Telefonnummer tot, E-Mails kommen zurück, die Firma existiert nicht mehr. Und plötzlich merkst du: Du weißt gar nicht, wo deine Website eigentlich liegt. Wenn du in so einer Lage Domain und Hosting umziehen willst, ist das fast immer möglich – aber es hängt daran, welche Zugänge und Nachweise du hast. Ich erkläre dir, was in so einem Fall zählt und wie du wieder Herr über deine eigene Website wirst.

Erst mal klären: Wem gehört die Domain überhaupt?

Das ist die wichtigste Frage, und viele Betriebe können sie spontan nicht beantworten. Eine Domain hat immer einen eingetragenen Inhaber – den sogenannten Domaininhaber oder Registrant. Das ist die Person oder Firma, der die Domain rechtlich zugeordnet ist.

Im Idealfall bist das du beziehungsweise dein Betrieb. Dann hast du eine gute Ausgangsposition, selbst wenn du keinerlei Zugangsdaten mehr hast. Manchmal steht dort aber der alte Webdesigner oder dessen Agentur. Das ist nicht automatisch böse Absicht – oft ist es damals einfach so eingerichtet worden, weil es schneller ging. Trotzdem wird es dann deutlich mühsamer.

Bei .de-Domains kannst du den Inhaber über die Abfrage bei der DENIC prüfen, der zentralen Registrierungsstelle für .de. Aus Datenschutzgründen werden dort heute nicht mehr alle Daten öffentlich angezeigt, aber du siehst zumindest, ob eine Domain vergeben ist und wer sie technisch verwaltet. Bei anderen Endungen wie .com oder .eu läuft das über die jeweilige Registry beziehungsweise Whois-Abfragen.

Was du an Unterlagen zusammensuchen solltest

  • Alte Rechnungen des Webdesigners oder Hosters – oft steht dort, bei welchem Anbieter die Domain liegt
  • Kontoauszüge: Wer bekommt regelmäßig Geld für Hosting oder Domain?
  • Alte E-Mails mit Zugangsdaten (auch im Papierkorb und im Archiv suchen)
  • Der Vertrag oder das Angebot von damals
  • Die E-Mail-Adresse, die als Kontakt hinterlegt wurde – hast du noch Zugriff darauf?

Gerade der letzte Punkt wird unterschätzt. Viele Passwort-Zurücksetzen-Funktionen hängen an genau dieser Adresse. Wenn das eine Adresse des alten Dienstleisters war, fehlt dir ein wichtiger Hebel.

Domain umziehen: So läuft der Wechsel technisch ab

Wenn du Domain und Hosting umziehen möchtest, sind das streng genommen zwei getrennte Vorgänge. Die Domain ist nur die Adresse – das Hosting ist der Speicherplatz, auf dem die Website tatsächlich liegt. Beides kann beim selben Anbieter sein, muss es aber nicht.

Für den Umzug einer .de-Domain brauchst du einen sogenannten Auth-Code (auch AuthInfo genannt). Das ist eine Art Schlüssel, den der aktuelle Anbieter herausgibt. Damit beantragt der neue Anbieter den Wechsel – früher als KK-Antrag bekannt, heute technisch ChProv. Der Auth-Code ist begrenzt gültig; bei .de-Domains wird üblicherweise ein Zeitraum von 30 Tagen genannt. Ist alles korrekt, geht der eigentliche Wechsel oft innerhalb weniger Stunden bis zu einem Werktag über die Bühne.

Der Knackpunkt: Den Auth-Code bekommst du normalerweise nur vom bisherigen Anbieter. Wenn der Webdesigner verschwunden ist, aber der Hoster dahinter noch existiert – zum Beispiel ein bekannter Anbieter, bei dem er nur Kunde war – kannst du dich oft direkt an diesen Hoster wenden. Bist du als Inhaber eingetragen, hilft man dir dort in der Regel weiter, meist gegen einen Identitätsnachweis wie Gewerbeanmeldung oder Handelsregisterauszug.

Ist der Webdesigner selbst der eingetragene Inhaber und nicht erreichbar, wird es zäh. Dann bleibt manchmal nur der Weg über die Registrierungsstelle, über anwaltliche Unterstützung – oder, ganz pragmatisch, über eine neue Domain. Das ist bitter, aber je nach Bekanntheit der alten Adresse manchmal die schnellere Lösung.

Und die Website selbst?

Selbst wenn die Domain gerettet ist, brauchst du noch die Inhalte. Bei einer WordPress-Website besteht die Seite aus zwei Teilen: den Dateien auf dem Server und der Datenbank. Mit FTP- oder Hosting-Zugang lässt sich beides sichern und beim neuen Anbieter wieder einspielen.

Hast du gar keinen Zugriff mehr, ist nicht alles verloren. Texte und Bilder lassen sich aus der laufenden Website heraus sichern, solange sie online ist. Auch das Internet Archive hat viele Seiten gespeichert. Der Aufbau muss dann zwar neu erfolgen, aber die Inhalte – für die du schließlich bezahlt und Arbeit investiert hast – sind meist zu retten. Manchmal ist ein sauberer Neuaufbau ohnehin der bessere Weg, wenn die alte Seite technisch veraltet ist.

So verhinderst du das Problem beim nächsten Mal

Aus meiner Erfahrung hier in der Region – ob Handwerksbetrieb in Wissen, Praxis im Kreis Altenkirchen oder Dienstleister irgendwo im Westerwald – lässt sich das Ganze mit ein paar einfachen Regeln komplett vermeiden:

  1. Du bist der Domaininhaber. Nicht dein Dienstleister, nicht seine Agentur. Punkt. Das ist völlig üblich und jeder seriöse Webdesigner richtet das so ein.
  2. Die Verträge laufen auf dich. Domain- und Hostingvertrag auf deinen Betrieb, bezahlt von deinem Konto. Dein Dienstleister bekommt Zugang, aber du bleibst Vertragspartner.
  3. Eine eigene Kontaktadresse hinterlegen. Am besten eine E-Mail-Adresse mit deiner eigenen Domain, auf die mehrere Leute im Betrieb zugreifen können – nicht die private Adresse eines einzelnen Mitarbeiters.
  4. Zugangsdaten dokumentieren. Ein Passwortmanager oder ein Ausdruck im Ordner: Hoster, Kundennummer, Login, Domainanbieter. Einmal angelegt, spart das im Ernstfall Wochen.
  5. Regelmäßige Backups. Am besten automatisch und nicht nur auf demselben Server, auf dem auch die Website liegt.

Was ein fairer Dienstleister anbietet

Ein gutes Zeichen ist, wenn dir jemand von sich aus erklärt, wo deine Domain liegt und wie du im Notfall drankommst. Genauso wichtig: Er sollte dir die Frage, was passiert, wenn ihr mal nicht mehr zusammenarbeitet, ohne Zögern beantworten können. Bei mir gehört das zum Standard – auf meiner Seite zu den Leistungen findest du, wie ich Betreuung und Hosting handhabe. Wer da ausweicht oder sagt „das machen wir schon“, bei dem würde ich genauer nachfragen.

Fazit: Kontrolle behalten ist einfacher als Kontrolle zurückholen

Wenn du Domain und Hosting umziehen musst, weil der alte Webdesigner nicht mehr greifbar ist, dann ist das lösbar – meistens jedenfalls. Der Aufwand hängt stark davon ab, wer als Inhaber eingetragen ist und welche Zugänge du noch hast. Fang deshalb heute damit an: Schau nach, auf wen deine Domain läuft, und leg die Zugangsdaten an einem Ort ab, an dem du sie im Ernstfall wiederfindest.

Und wenn du gerade genau in dieser Situation steckst und nicht weiterkommst: Melde dich einfach. Ich schaue mir an, was bei deiner Domain hinterlegt ist, und sage dir ehrlich, welche Wege es gibt – auch wenn am Ende herauskommt, dass du nichts weiter tun musst. Ein unverbindliches Gespräch kostet dich nichts außer einer Viertelstunde.