Irgendwann kommt bei fast jedem Betrieb der Moment, in dem die eigene Website nicht mehr passt. Sie sieht altbacken aus, auf dem Handy verrutscht die Hälfte, und das Angebot, das dort steht, macht ihr schon seit zwei Jahren keiner mehr. Ein Website-Relaunch ist dann keine Schönheitsfrage, sondern eine geschäftliche Entscheidung. Die schwierigere Frage ist meist: Ist es wirklich schon so weit – oder reicht auch eine Überarbeitung? Hier sind die Anzeichen, an denen du das ziemlich zuverlässig erkennst.
Was ein Website-Relaunch überhaupt bedeutet
Ein Relaunch heißt: Die Website wird technisch und inhaltlich neu aufgebaut. Nicht nur ein neues Design über die alte Struktur gelegt, sondern Seitenaufbau, Texte, Technik und Zielsetzung neu gedacht. Die Domain bleibt, die Inhalte werden übernommen oder überarbeitet, alles darunter wird ersetzt.
Das ist ein Unterschied zur laufenden Pflege. Neue Bilder einsetzen, ein Team-Mitglied ergänzen, eine Leistungsseite hinzufügen – das ist normale Arbeit an einer gesunden Website. Ein Relaunch kommt dann ins Spiel, wenn diese normale Arbeit anfängt, sich zäh anzufühlen: wenn jede Kleinigkeit an anderer Stelle etwas kaputt macht oder du bei jeder Änderung denkst, dass es eigentlich gar keinen Sinn mehr hat.
Sieben Anzeichen, dass ein Website-Relaunch ansteht
1. Auf dem Handy funktioniert sie nicht richtig
Der mit Abstand häufigste Grund. Wer heute nach einem Betrieb in Wissen, Betzdorf oder Altenkirchen sucht, tut das meistens unterwegs am Telefon. Wenn Text abgeschnitten wird, Buttons zu klein zum Treffen sind oder du zum Lesen seitlich scrollen musst, verlierst du die Mehrheit deiner Besucher – nicht weil dein Angebot schlecht ist, sondern weil sie nicht drankommen. Mehr dazu im Beitrag Mobile First.
2. Du kannst selbst nichts mehr ändern
Eine Website, für die du bei jeder Telefonnummer-Änderung jemanden anrufen musst, ist ein Wartungsfall. Bei modernen Systemen kannst du Texte, Bilder und Preise selbst pflegen. Wenn du das bei dir nicht kannst oder dich schlicht nicht traust, weil du Angst hast, etwas zu zerschießen, ist das ein deutliches Zeichen.
3. Sie lädt spürbar langsam
Über die Jahre sammeln sich Plugins, unkomprimierte Bilder und Reste alter Umbauten an. Irgendwann ist die Seite so schwerfällig, dass Besucher abspringen, bevor überhaupt etwas zu sehen ist. Warum das direkt auf Anfragen durchschlägt, habe ich hier beschrieben: Ladezeit und Anfragen.
4. Die Technik ist veraltet
Ein WordPress, das seit Jahren nicht aktualisiert wurde, ein Theme, das der Entwickler eingestellt hat, eine PHP-Version, die niemand mehr mit Sicherheitsupdates versorgt: Das ist kein Schönheitsproblem, das ist ein Risiko. Alte Systeme sind das bevorzugte Ziel automatisierter Angriffe. Wenn Updates nicht mehr durchlaufen, weil sonst die halbe Seite bricht, hast du bereits ein Relaunch-Thema auf dem Tisch.
5. Dein Betrieb hat sich verändert, die Website nicht
Neue Leistungen, ein zweiter Standort, ein anderer Schwerpunkt, ein neues Logo – und auf der Website steht immer noch der Stand von vor fünf Jahren. Das kostet dich nicht nur Anfragen, sondern auch Glaubwürdigkeit. Wer online etwas anderes vorfindet als im Gespräch, wird misstrauisch.
6. Du bekommst die falschen oder gar keine Anfragen
Eine Website ist kein Selbstzweck. Wenn über das Kontaktformular seit Monaten nichts kommt, oder nur Anfragen für Dinge, die du gar nicht mehr machst, stimmt etwas an der Ausrichtung nicht. Oft liegt es nicht am Design, sondern daran, dass nirgends klar steht, für wen du arbeitest und was der nächste Schritt ist.
7. Du zeigst sie niemandem gern
Das klingt weich, ist aber ein erstaunlich guter Indikator. Wenn du bei „Schauen Sie doch mal auf unsere Website“ innerlich zusammenzuckst und lieber schnell die Visitenkarte reichst, dann arbeitet deine Website gegen dich statt für dich.
Wann ein Relaunch nicht die Antwort ist
Genauso wichtig: Nicht jedes Problem braucht einen Neubau. Wenn die Technik aktuell ist, die Seite auf dem Handy sauber funktioniert und schnell lädt, dann sind schwache Texte oder fehlende Bilder kein Relaunch-Grund. Das lässt sich in der bestehenden Website lösen – meist günstiger und schneller.
Auch „mir gefällt die Farbe nicht mehr“ ist selten ein tragfähiger Grund. Ein Relaunch ist Aufwand, und der sollte sich an einem konkreten Ziel messen lassen: mehr passende Anfragen, weniger Pflegeaufwand, wieder Kontrolle über die eigenen Inhalte.
Der rechtliche Punkt: Barrierefreiheit
Ein Thema, das derzeit viele Relaunches auslöst, ist die digitale Barrierefreiheit. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit dem 28. Juni 2025; für Dienstleistungen gibt es eine Ausnahme für Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz. Ob dein Angebot betroffen ist, hängt vom Einzelfall ab. Eine ausführlichere Einordnung findest du im Beitrag Barrierefreiheit im Web.
Wichtig: Das ist eine allgemeine Orientierung aus Webdesigner-Sicht, keine Rechtsberatung. Ich bin kein Anwalt. Wenn du unsicher bist, ob und wie das BFSG dich betrifft, lass das im Zweifel juristisch prüfen – gerade bei Onlineshops oder Buchungsfunktionen.
Wie ein Website-Relaunch abläuft
In der Praxis sind es meist vier Etappen:
- Bestandsaufnahme: Was funktioniert, was nicht? Welche Seiten werden überhaupt aufgerufen? Was muss zwingend mitgenommen werden?
- Konzept: Ziel, Zielgruppe, Seitenstruktur, gewünschte Aktion. Dieser Schritt entscheidet mehr über das Ergebnis als jede Designfrage – mehr dazu unter Konzept für die Website.
- Umsetzung: Design, Technik, Texte, Bilder. Hier kommt der größte Teil des Aufwands zusammen.
- Umzug und Nachsorge: Alte Adressen sauber auf die neuen umleiten, damit deine bestehende Google-Sichtbarkeit nicht verloren geht. Dieser Punkt wird am häufigsten unterschätzt und ist der wichtigste beim Relaunch.
Wie lange das dauert und was dabei realistisch einzuplanen ist, steht in meinem Beitrag zum Zeitplan eines Website-Projekts. Was ich konkret übernehme, findest du unter Leistungen.
Der ehrlichste Test
Öffne deine Website auf deinem Handy, so wie es ein Interessent tun würde. Zähle die Sekunden, bis etwas zu sehen ist. Lies den ersten Satz. Und frage dich: Würde ich hier anrufen? Wenn die Antwort zögerlich ausfällt, weißt du, wo du stehst.
Unsicher, ob sich ein Relaunch bei dir lohnt?
Ich schaue mir deine bestehende Website gern an und sage dir ehrlich, ob ein kompletter Website-Relaunch nötig ist oder ob es mit gezielten Verbesserungen getan ist. Als Webdesigner in Wissen an der Sieg arbeite ich vor allem mit kleinen und mittleren Betrieben aus dem Westerwald – kurze Wege, klare Ansagen, kein Fachchinesisch. Melde dich einfach für ein unverbindliches Gespräch, dann klären wir das in einer halben Stunde.


